Prof. Dr. Andreas Herrmann verstärkt das ITMC-Team

01.06.2017

Seit dem heutigen 1. Juni hat das Institut für Technische und Makromolekulare Chemie ein neues Mitglied: Prof. Dr. Andreas Herrmann wechselt von der Universität Groningen nach Aachen und übernimmt den Lehrstuhl für Makromolekulare Materialien und Systeme. Gleichzeitig wird er Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung im benachbarten DWI – Leibniz-Institut für Interaktive Materialien. Andreas Herrmann forscht an Nanomaterialien mit neuen, komplexen Funktionen für Anwendungen in der medizinischen Therapie und Diagnostik sowie in Hochleistungssystemen mit besonderen mechanischen Eigenschaften. Der Wechsel des 46-Jährigen nach Aachen ist das Ergebnis eines gemeinsamen Berufungsverfahrens des Leibniz-Instituts und der RWTH.

  Portraitbild Andreas Herrmann Philipp Scheffler

Mit Andreas Herrmann kommt ein Material-Experte ins Team, der an der Schnittstelle von organischer Chemie, Polymerchemie und Molekularbiologie forscht. Dabei geht es beispielsweise um Hybridmaterialien aus Polymerbausteinen und DNA-Strängen, die als Transporter für medizinische Wirkstoffe dienen können. Die DNA fungiert hier nicht als Code für genetische Informationen, sondern als individuell anpassbarer Werkzeugkasten. Je nach Sequenz eines DNA-Strangs können verschiedenste Molekül-Architekturen entstehen und miteinander kombiniert werden. Neben DNA nutzt Andreas Herrmann auch Ketten von Aminosäuren, sogenannte Polypeptide, die er mit einer besonders hohen Anzahl positiv oder negativ geladener Komponenten versieht. Über elektrostatische Effekte können sich diese Polypeptide ebenfalls in Überstrukturen anordnen und als Bausteine für komplexe Materialien fungieren.

Andreas Herrmann ist neben Martin Möller und Andrij Pich nun einer von drei DWI-Leibniz-Professoren im ITMC und wird die Forschung im Bereich Polymerwissenschaften und molekulare Materialien in Aachen nachhaltig verstärken. Das gilt ebenfalls für die RWTH-Profilbereiche ‚Molecular Science & Engineering‘ sowie ‚Medical Science & Technology‘. „Professor Herrmann wird zukünftig eine wichtige Rolle dabei spielen, in Aachen die Zusammenarbeit zwischen den Naturwissenschaften, der Forschung für neue Medizinprodukte und dem DWI zu intensivieren“, so Prof. Dr. Martin Möller.

Andreas Herrmann promovierte 2000 am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz im Bereich der organischen Chemie, arbeitete als Postdoc an der ETH Zürich und leitete anschließend eine Nachwuchsgruppe am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. 2007 wechselte er an das Zernike Institute for Advanced Materials der Universität Groningen in den Niederlanden, wo er seit 2010 Professor ist. In den letzten Jahren war er an der Leitung des Instituts maßgeblich beteiligt. 2016 wurde Andreas Herrmann mit dem prestigeträchtigen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet. Prof. Herrmann sieht sehr große Chancen für seine Materialien in Aachen: „Die enge Verzahnung von Natur- und Ingenieurwissenschaften in Aachen bietet enorme Möglichkeiten, unsere heutigen Materialentwicklungen noch stark zu verbessern. Wir können diese mit neusten Fertigungsprozessen wie zum Beispiel 3D-Druck und Lithographieverfahren kombinieren, um einerseits neue Materialeigenschaften zu generieren oder um andererseits deren Anwendungsreife voranzutreiben. Weiterhin werden wir DNA-Nanostrukturen und hochgeladene Polypeptide zusammen mit Partnern am Universitätsklinikum in Aachen für verschiedene medizinische Indikationen maßschneidern.“